Endlich ist es so weit und der Wind dreht auf Ost und lässt uns durch die Strasse von Gibraltar. Am 15.11.14 um 10.30 Uhr machen wir die Leinen los und ab geht es Richtung Atlantik und den Kanaren. Über 600 sm und 5-6 Tage auf See liegen nun vor uns. Wir sind etwas aufgeregt. Die Passage der Strasse ist wegen der starken Strömung in Richtung Osten, nicht ganz einfach. Da kann es sein, dass man trotz guter Fahrt durchs Wasser, kaum vorankommt. Am Nachmittag beißt ein großer Wolfsbarsch an und sichert uns die nächsten 2 Mahlzeiten.
Gegen Abend haben wir die Strasse passiert und nehmen Kurs auf Lanzarote. Der Wind ist schwach und kommt von vorne, sodass wir unter Motor fahren. Die Wetterberichte für die nächsten Tage sagen ein weiteres Sturmtief voraus. Also beschließen wir Mohammedia an der marokkanischen Küste anzulaufen. Am 17.11.14 nach 190 sm kommen wir früh um 7.00 Uhr dort an. Die kleine Marina besteht aus 2 wackeligen Stegen mit Strom und Wasser, sowie sehr sauberen Toiletten und Duschen. Das Einklarieren stellt sich sehr unkompliziert dar.
| Hafen von Mohammedia |
Eine deutsche Charterjacht, die auf dem Weg nach Las Palmas war, hatte ebenfalls abgebrochen und hier Schutz gesucht. Diese Unterbrechung war zeitlich nicht eingeplant und die Dauer nicht absehbar. Also mussten die Chartergäste ihre Tour abbrechen und sich Heimflüge von Casablanca aus buchen. Der Skipper blieb an Bord und hat sich eine erfahrene Crew für die Überführung nach Las Palmas geordert. Ebenso liefen noch die deutsche SY TUN und die schweizer SY Bonadea ein. Alle haben hier Schutz vor dem nahenden Tief genommen. So saßen wir wieder einmal fest. Diesmal in Marokko, was sich aber keinesfalls als Nachteil erwies. Zum Einen hat Mohammedia eine bezaubernde Medina und zum Anderen konnten wir uns Casablanca und die Königsstadt Fes anschauen.
Die Zugfahrt nach Fes dauert ca. 4 Std. und ist somit zu weit für einen Tagestrip. Kurzerhand haben wir uns eine Übernachtung mitten in der Medina von Fes in einem Riad gegönnt. Stundenlang sind wir durch die kleinen Gassen geschlendert und haben die Atmosphäre dort genossen. In dem Gassengewirr haben wir uns Zwangsläufig verlaufen und mussten ein Taxi zu Hilfe nehmen um wieder zu unserer Herberge zu finden. Bei einem Besuch in der Gerberei hat es uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem verschlagen. Dort werden noch wie in Zeiten des Mittelalters Tierhäute bearbeitet. Arbeiter stehen bis zur Hüfte in Becken mit Kalk und Taubenmist. Unser Führer hat uns gegen den Gestank etwas Minze angeboten und anschließend zu einer Verkaufsveranstaltung genötigt.
| Gerberei in Fes |
| Gerberei in Fes |
| Gerberei in Fes |
Casablanca haben wir zusammen mit den Crews von der SY TUN, Florian und Julia, und SY Bonadea, Moni und Toni, unternommen. Die Stadt hat eine atemberaubende Moschee direkt am Meer. In der Medina haben wir sowohl den Teil besucht, der überwiegend auf Touristen ausgerichtet ist, sowie den Teil für die hiesige Bevölkerung. Letztgenannter ist teilweise für Europäer eher gewöhnungsbedürftig, aber unendlich interessant. Hier wird in der prallen Sonne Fisch ohne jede Kühlung verkauft. Daneben warten in einem Käfig eingezwängte Hühner auf ihre Erlösung. Dennoch haben wir uns nicht davon abhalten lassen, hier zu speisen. Eine kleine Garküche haben wir ausgewählt, die aber nicht genug Platz und Tische im Inneren des Raumes hatte. Der Wirt hat sich deshalb kurzerhand Tische und Stühle von einem Nachbarn ausgeliehen und diese für uns draußen aufgebaut. So saßen wir direkt vor einem Verkaufsstand, der aus getrockneten Igeln, Salamandern, getrockneten Kraut usw. , Rezepte für Heiltränke mischt. Dies alles hat jedoch den Genuss der Tajine, für die wir immerhin 4 Gabeln für 6 Leute bekamen, nicht geschmälert.
| Moschee von Casablanca |
| Medina von Casablanca |
| Medina von Casablanca |
| Skurriler Händler in der Medina |
| Skurriler Händler in der Medina |