Nachdem wir uns über Funk bei der Hafenbehörde gemeldet haben, lassen
wir unseren Anker in der Carlisle Bay fallen. Diese Bucht liegt direkt bei
Bridgetown, der Hautstadt von Barbados. Wir machen unser Beiboot klar, um an
Land zu fahren und ordnungsgemäss einzuklarieren. Mit der freudigen Erwartung,
nach 4 Wochen auf See, wieder festen Boden unter den Füssen zu spüren, steigen
wir korrekt gekleidet für Immigration und Zoll, ins Beiboot. Doch unser erster,
lang ersehnter Landgang endet erst einmal in einer recht feuchten Erfahrung.
Die Wellen, die sich auf dem Strand brechen, erschweren diesen. Als wir uns dem
Strand nähern, ergreift uns eine dieser Wellen und dreht unser Böötchen quer.
Andreas wird ins Wasser katapultiert, und ich schaffe es gerade noch, es vor
dem Umkippen zu retten. So ist erst einmal ein Strandspaziergang angesagt, bei
dem wir unsere Sachen trocknen lassen. Halbwegs getrocknet machen wir uns auf
den Weg zu den Behörden. Mächtig Stolz auf unseren ersten Stempel aus Übersee
im Reisepass, und machen wir uns auf die Suche nach etwas leckerem zu Essen.
Schnell stellen wir fest, dass das kulinarische Angebot hauptsächlich aus
Fastfood besteht und beschließen einen Burger mit Pommis zu essen. Bei der
Aufgabe unserer Bestellung, haben wir Mühe, zu erkennen, ob die Dame hinter der
Theke überhaupt wach ist und geneigt, unsere Wünsche entgegen zu nehmen. Bei
unserem Aufenthalt auf Barbados haben wir vergeblich nach der berühmten
karibischen Fröhlichkeit gesucht. Allerdings hat uns der Luxus, wieder die
Nächte durchschlafen zu können, ein paar Tage auf Barbados festgehalten. Am
18.2.2015 machen wir uns dann um 08:00 Uhr auf den Weg Richtung Tobago.
Am Folgetag treffen wir um 16:00 Uhr in Scarborough, der Hauptstadt von
Tobago, ein und werfen im städtischen Hafen unseren Anker. Schnell stellen wir
fest, dass unser Schiff das erste Mal, seitdem wir die Kanarischen Inseln im
Dezember verlassen haben, fast absolut ruhig liegt. Wir freuen uns daher auf
die erste Nacht ohne zu schaukeln. Scarborough ist eine kleine, lebhafte Stadt,
ohne besonderen Charme. Auffallend ist der übermäßige Alkoholkonsum der
Bevölkerung. In kurzen Abständen trifft man auf Bars, aus denen laute Musik
dröhnt und von Betrunkenen umgeben sind.
Von Scarborough aus starten wir mehrere Ausflüge, um die Insel kennen
zu lernen. Unser erstes Ziel führt uns vom Süden Tobagos an die Nord-West Küste
nach Charlotteville, einem kleinen, noch fast urtümlichem Fischerdorf. Allein
die Fahrt dorthin an der gesamten Ostküste entlang, ist sehr beeindruckend. Die
Bucht von Charlotteville ist landschaftlich einzigartig. Wir bedauern es sehr,
auf dem Weg von Barbados direkt nach Scarborough durchgefahren zu sein und
nicht hier als ersten Anlaufpunkt geankert zu haben.
Da wir uns in den letzten Wochen nicht so viel bewegt haben, musste nun
eine längere Wanderung her. Diese führt uns durch den Regenwald, vorbei an
einer Kakao-Plantage zu den Argyll-Wasserfällen. Über mehrere Terrassen ergießt
sich das Wasser in ein Tal. In den dadurch entstandenen Wasserbecken erfrischen
wir uns und freuen uns sehr darüber, mal wieder in Süßwasser schwimmen zu
können. Auf dem Rückweg ist diese Erfrischung wegen der feuchten Hitze leider
schnell wieder vergessen. Dennoch genießen wir den Anblick der exotischen
Pflanzen, die hier, nicht von Menschenhand gepflegt, in “Unordnung” wachsen
dürfen.
Da nicht nur die Welt oberhalb der Wasserlinie sehenswert ist, entschließen
wir uns, einen 4-tägigen Tauchlehrgang mit abschließender Prüfung zu
absolvieren. Das Zertifikat, Padi Open Water Diver, erlaubt es uns nun, bis zu
einer Tiefe von ca. 12m eigenständig und mit Ausrüstung tauchen zu dürfen. Der Lehrgang besteht aus
diversen Übungen, die wir im klaren Wasser inmitten von Korallen und vielen
bunten Fischen durchführen. Einen interessanteren “Klassenraum” können wir uns
schwer vorstellen.
Zum Abschluss unseres Aufenthaltes in Tobago wollen wir noch ein
Ziegenrennen besuchen. Dieses findet jeden Sonntag in Buccoo statt. Mehrere
Läufer haben je eine Ziege, die sie über eine Distanz von ca. 200m vor sich
hertreiben müssen. Dieses Rennen wird von den Akteuren mit sehr viel Ernst und
sportlichem Engagement durchgeführt. Entsprechend ist auch der Eifer des
Publikums und der Jubel, wenn der Sieger feststeht. Mehrere Läufe finden an
diesem Tag statt.
Im Anschluss an diese Wettkämpfe tritt auf einer nahe gelegenen Bühne eine heimische Steelband auf. Ein sehr schöner Abend mit kühlem Bier folgt.
Schweren Herzen müssen wir Tobago verlassen, da ja in Trinidad unser
neuer Mast wartet. Am 18.03.15 brechen wir daher um 04:10 Uhr auf.
Im Anschluss an diese Wettkämpfe tritt auf einer nahe gelegenen Bühne eine heimische Steelband auf. Ein sehr schöner Abend mit kühlem Bier folgt.