Bei recht kräftigem Wind und hohen Wellen, werden wir in den ersten
Tagen heftig durchgeschüttelt. Dieses Wetter hält auch die nächsten Tage an und
wir kämpfen mit der Seekrankheit. Allerdings kommen wir die ersten 5 Tage recht
gut voran. In den frühen Morgenstunden zum 16.01.2015 passiert dann das, wovor
sich jeder Segler fürchtet. Unser Hauptmast bricht, in einer ungünstigen
Konstellation von Wind, Welle und Kurs, nach 703 sm, 1 m über dem Deck und
fällt nach Steuerbord ins Meer. Nun hängt er, nur noch mit den Stagen und
Wanten mit Pamina verbunden, senkrecht im Ozean. Unsere Ungläubigkeit und
Sprachlosigkeit in diesem Augenblick ist unbeschreiblich. Nachdem wir im
Cockpit sitzend und recht sachlich die Situation analysierend, auf das erste
Tageslicht warten, legen wir los und versuchen noch alles, was relativ
gefahrlos geborgen werden kann, zu retten. Ein paar Stunden sind wir damit
beschäftigt, die Drahtseile mit Bolzenschneider und Eisensäge zu kappen. Mit
einigen Schrammen und blauen Flecken schauen wir traurig unserem alten Mast
hinterher, wie er in die Tiefen des Atlantiks versinkt. Die nächste
Herrausforderung besteht nun darin, aus zu probieren, wie wir am
komfortabelsten die letzten 1400 sm ohne unseren Hauptantrieb zurücklegen
können. Zurück nach Mindelo, gegen Wind und Welle, können wir nicht. Deswegen
entschliessen wir uns, unsere Atlantiküberqeurng fortzusetzen, korrigieren
jedoch unseren Kurs von St. Martin nach Barbados, da dies das naheliegendste
Ziel in der Karibik ist. Da Pamina eine Ketch ist, besitzt sie noch einen
weiteren, wesentlich kleineren Mast mit einem Segel. Mit diesem alleine
versuchen wir nun, unseren Kurs halten zu können. Zusätzlich setzen wir von dem
Top des Besanmastes unser Sturmsegel. Bei stärkerem Wind müssen wir dieses
jedoch einholen, da uns die Belastung auf den Besanmast zu gross erscheint und
wir diesen nicht auch noch reskieren wollen. Im Schnitt haben wir dadurch eine
Geschwindigkeit von 2.5 kn erreicht. Dies entspricht ungefähr der Hälfte der
geplanten Geschwinddigkeit. Unsere Reise verlängert sich dadurch. Dennoch sind
wir sehr froh, unser Ziel erreichen zu können und Pamina nicht aufgeben zu
müssen.
Über unsere Amateurfunkanlage sind wir in Kontakt mit Intermar e.V. und
anderen Seglern. Intermar betreut Segler im Mittelmeer und auf dem Atlantik und
versorgt diese mit Wetterdaten und anderen wichtigen Informationen. Nachdem wir
Intermar über unserer Notlage informiert
haben, hat sich ein großer Ring von Helfern eingefunden, die uns sowohl bei
der Beschaffung eines neuen Mastes, wie auch durch die täglichen Gespräche ein
Gefühl der Sicherheit geben. So können wir einen für uns geeigneten Mast in
Trinidad ermitteln.
Bedingt durch das windbeständige Wetter und die sehr gute Unterstützung
seitens Intermar, verbringen wir die Tage der Überfahrt seit unserem Mastbruch
relativ entspannt. Trotz unserer geringen Geschwindigkeit, sind wir in der
Lage, recht viele Fische zu fangen und uns somit kulinarisch zu verwöhnen. Auch
begleiten uns 2 Wale ein kurzes Stück.
Nach 4 Wochen, am 7.2.2015, erreichen wir dann schließlich Barbados.
| Pamina direkt nach dem Mastbruch |
| Durcheinander auf dem Deck |
| Unsere Notbesegelung |